Niemand sollte in seinen schwersten Stunden allein sein – erst recht nicht, wenn er mit dem Tod ringt. Aber genau das war während der ersten Coronawelle für viele die bittere Realität. Sie bangten um ihr Leben und ihre Angehörigen konnten ihnen nicht beistehen.

Am 13. März 2020 wurden im Vereinigten Königreich Krankenhausbesuche verboten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Die Kranken waren auf sich gestellt – ohne den Halt von Familie oder Freunden.

Louise Rose, Professorin für Intensivpflege am King’s College London, und Dr. Joel Meyer, Berater für Intensivmedizin beim Guy’s Hospital und beim St Thomas’ Hospital, gehörten zu denen, die mitansehen mussten, wie die isolierten und künstlich beatmeten Patienten auf der Intensivstation starben.

Sie haben gesehen, wie sehr Patienten, ihre Angehörigen und die Krankenhausmitarbeiter unter dem Besuchsverbot litten. Und sie erkannten: Hier Abhilfe zu schaffen, war nur mithilfe von Technologie möglich.

Prof. Louise Rose

Prof. Louise Rose (Foto: Sunnybrook Health Sciences Centre)

„Wir brauchten eine Lösung, die es Familienangehörigen wenigstens virtuell ermöglichte, ihren liebsten Menschen in ihren schwersten Stunden beizustehen“, so Professor Rose.

„Unsere Patienten auf der Intensivstation sind normalerweise nicht bei Bewusstsein. Dann aufzuwachen und nicht mit den Menschen sprechen zu können, die ihnen am nächsten sind, ist kaum zumutbar. Und wenn sie den Mitarbeitern nicht selbst über sich erzählen können, brauchen wir die Angehörigen, um etwas über unsere Patienten zu erfahren.“

„Telefonieren ist eine Sache, aber manchmal möchte man den anderen einfach sehen.“

Dafür brauchten Prof. Rose und Dr. Meyer schnell zweckbestimmte Software und Hardware, die auf bestimmte Weise implementiert werden musste.

Prof. Rose erinnerte sich an einen Mann, den sie erst kurz zuvor kennengelernt hatte und der vielleicht helfen konnte.

Michel Paquet

Michel Paquet

So schnell wie möglich

Michel Paquet, CEO des kanadischen Unternehmens für digitale Lösungen im Gesundheitssektor Aetonix, hatte im Februar im St Thomas’ Hospital seine App aTouchAway vorgestellt. Ursprünglich war das Tool für die virtuelle Kommunikation zwischen Patienten, die zuhause waren, und ihren Ärzten entwickelt worden.

Prof. Rose erinnerte sich daran. „Sie rief mich an und schilderte mir die Situation. Sie sagte, dass sie der Meinung sei, ich könne etwas für sie tun“, so Paquet.

In einer zweistündigen Videokonferenz besprachen Prof. Rose, Dr. Meyer und Michel Paquet, wie man die App umprogrammieren könnte, um daraus eine sichere, cloudbasierte Plattform für virtuelle Krankenbesuche zu machen. Die Lösung sollte einfach zu verwenden, sicher und zuverlässig sein und Chats sowie Videoanrufe mit drei Personen gleichzeitig ermöglichen.

Das war der Beginn der Initiative „Life Lines“.

Michel Paquet musste erst einmal tief durchatmen. Als IT-Experte ist es zwar seine Aufgabe, schnelle Lösungen zu finden, aber das hier war noch einmal etwas ganz anderes.

„Dr. Meyer sagte zu mir, wir machen das, und zwar so schnell wie möglich – am besten gestern“, erzählt er.

Als Unternehmer sagt man natürlich zu. Aber man weiß, dass man die nächsten drei Monate extrem wenig Schlaf bekommen wird.

Natürlich spielte seine eigene Erfahrung für ihn auch eine Rolle. Als sein Vater starb, konnte er bei ihm sein.

So nahm Michel Paquet die Herausforderung an – wie so viele IT-Experten weltweit im Jahr 2020. Bereits wenige Tage nach Inkrafttreten des Besuchsverbots wurde aTouchAway getestet.

„Innerhalb von zwei Wochen hatten wir die virtuelle Besucherlösung entwickelt, dafür gesorgt, dass genügend Tablets vorhanden waren, eine Spende in Höhe von einer Million Pfund zur Finanzierung der Tablets und der Software organisiert und mit der Belieferung von Krankenhäusern im Vereinigten Königreich begonnen“, berichtet Prof. Rose.

Den ersten virtuellen Besuch bekam ein Patient auf der Intensivstation im St Thomas’ Hospital am 25. März.

Paquet ergänzt: „Und dann breitete es sich aus wie ein Buschfeuer.“

Globale Reichweite der ersten Welle virtueller Besuche

Echte Partnerschaften basierend auf Nächstenliebe

Das war ein wirklicher Lichtblick für die von COVID-19 Betroffenen. Bald hatte Life Lines die logistische und finanzielle Unterstützung von Organisationen des National Health Service, Kliniknetzwerken, Nonprofit-Organisationen und Unternehmen wie British Telecom und Google.

Allein im ersten Monat wurden mehr als 1.000 Android-Geräte an 150 staatliche Krankenhäuser geliefert. Mittlerweile wurden diese Tablets von Patienten in 180 Krankenhäusern für Videoanrufe mit einer Länge von insgesamt mehr als einer Million Minuten genutzt. Für viele war das die einzige Möglichkeit, mit ihren Angehörigen zu kommunizieren.

Michel Paquet kann es immer noch nicht richtig fassen.

„Es war schon eine enorme Anstrengung, das zu erreichen. Aetonix rechnet normalerweise mit zwei neuen Kunden pro Woche. Jetzt haben wir innerhalb von wenigen Wochen 172 Organisationen aufgenommen. Es war einfach unglaublich.“

In seiner 35-jährigen Laufbahn als IT-Experte hat er noch nie gesehen, wie sich ein Team so schnell mobilisiert. Er ist überwältigt davon, was ein Team mit unterschiedlichem Hintergrund mit einem klaren Ziel bewirken kann.

„Das war spektakulär. IT-Experten wissen, dass solche Dinge normalerweise Monate dauern.“

Du beginnst zu realisieren, dass du wirklich etwas verändern kannst, und setzt das innerhalb von Stunden um, wenn es wirklich darauf ankommt.

King's College Hospital

Sicher, einfach und skalierbar

Wie bei jeder IT-Einführung in großem Maßstab gab es natürlich auch Herausforderungen.

„Intensivstationen haben spezielle Anforderungen“, erklärt Prof. Rose.

„Unsere Patienten können meist nicht sprechen und sind oft nicht bei Bewusstsein. Sie können ihre eigenen Geräte nicht verwenden und unsere Mitarbeiter haben immer alle Hände voll zu tun und tragen ihre persönliche Schutzausrüstung. Wir brauchten eine fertige Lösung, die an die Intensivstationen geliefert und von den Mitarbeitern dort per Knopfdruck eingeschaltet werden konnte.“

Michel Paquet musste praktisch über Nacht ein Aetonix-Team zusammenstellen, das dafür zuständig war, womit IT-Experten täglich beschäftigt sind: wahre Meisterleistungen im Programmieren zu vollbringen, um dafür zu sorgen, dass das Produkt für die Nutzer einfach zu verwenden ist.

aTouchAway war schnell so angepasst, dass sich für einen Patienten ein oder mehrere sichere Familienkontakte angeben ließen, die wiederum einen Videoanruf auf ihrem eigenen Smartphone erhalten konnten, nachdem sie sich als aTouchAway-Nutzer registriert hatten. Mit den entsprechenden Android-Geräten konnten die vielbeschäftigten Mitarbeiter auf der Intensivstation die App per Knopfdruck steuern.

Aus Datenschutzgründen musste Michel Paquet Server im Vereinigten Königreich organisieren und landesweit mit den IT-Abteilungen der Krankenhäuser zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Tablets funktionierten – ohne Kompromisse bei der Sicherheit.

Für zusätzlichen Schutz der Patientendaten wurden aTouchAway-Nachrichten verschlüsselt und Bilder, Videos und Dokumente konnten nur 72 Stunden lang aufgerufen werden.

Außerdem wurden für zuverlässige Verbindungen alle Tablets mit 4G ausgestattet.

Technisch funktionierte die Lösung. Michel Paquet machte sich aber immer noch Gedanken, ob sein Produkt den gewünschten Erfolg bringen würde, da immer mehr Menschen mit COVID-19 auf den Intensivstationen untergebracht werden mussten und die Nachfrage nach Videoanrufen anstieg wie nie zuvor.

„Die Arbeitsspeicher der Server waren ausgelastet bis zum Anschlag… das machte uns große Sorgen“, erzählt er.

„Aber die Infrastruktur war gut. So erreichten wir 5.000 Anrufe in der Woche.“

Innerhalb von vier Wochen wurden mehr als 1.000 Tablets an über 150 Krankenhäuser geliefert

Einfach unglaublich

Bewegende Geschichten

„Patienten öffneten die Augen, wenn sie die Stimme ihrer Enkelkinder hörten, oder freuten sich, ihren Hund auf dem Bildschirm zu sehen. Es gab virtuelle Heiratsanträge, Lieder wurden gesungen und Gebete gesprochen“, erzählt Prof. Rose.

Lisa Anne Fowler

„Einige Familien waren einfach so verzweifelt. Es war für sie ein großes Geschenk, ihre Lieben noch einmal sehen zu können.“

Vor der Pandemie hatten wir nicht die Möglichkeit, Patienten virtuell mit ihren Angehörigen zusammenzubringen. Für viele war das ein rettender Trost.

Lisa Anne Fowler hat es selbst erlebt.

Kurz vor Weihnachten 2020 erfuhr sie, dass ihr Bruder in seinem Haus in London die Treppe heruntergefallen war und sich einen Halswirbelbruch zugezogen hatte – er war gelähmt. Auf der Intensivstation im St George’s Hospital in London musste er ganz allein mit der neuen Situation fertig werden. Niemand war da, der ihm beistand.

Frau Fowler konnte weder nach London reisen noch ihren Bruder im Krankenhaus besuchen. Sie telefonierte zwar mit den Ärzten, aber für sie war es schlimm, ihren Bruder nicht sehen zu können.

Dann hörte sie von aTouchAway. Ihn das erste Mal zu sehen, war zwar schockierend. Aber dann ging es ihm besser und sie fing an, sich auf die Gespräche zu freuen. Sie konnte dafür sogar im Voraus ein Zeitfenster buchen.

„Er bekam zwar eine starke Medikation, aber er konnte mit mir sprechen und ich sah, wie es ihm ging. Das war so wichtig für uns“, erzählt sie. „Ich bin sehr dankbar dafür, ihn wenigstens per Videoanruf sehen zu können in dieser für uns schweren Zeit. Das kann ich gar nicht genug betonen.

Es war ein unglaubliches Erlebnis, weil das vor einigen Jahren noch gar nicht möglich gewesen wäre.“

Nachrichten

Emma (Name geändert), die sich mit COVID-19 infizierte und sechs Wochen auf der Intensivstation verbringen musste, konnte dank der App für virtuelle Besuche neuen Lebensmut schöpfen.

„Es war ein Albtraum“, erzählt sie. „Ich hatte solche Angst, als ich aus dem Koma aufwachte. Ich wollte einfach nur, dass meine Familie bei mir ist. Dank Life Lines konnte ich meinen Mann und meine Schwester sehen und mit ihnen sprechen.

Ich hatte wirklich Momente, in denen ich gedacht habe, ich schaffe das nicht. Aber mein Mann und meine Schwester haben mir die Kraft gegeben, weiterzukämpfen.“

Zukunftsorientiert

Zukunftsorientiert

Die Situation in den Krankenhäusern des Vereinigten Königreichs hat sich entspannt, aber das Projekt Life Lines wird jetzt erst richtig etabliert.

Die gespendeten Tablets bleiben auf den Intensivstationen als Kommunikationsmöglichkeit für Angehörige, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht persönlich sehen können.

Außerdem wird aTouchAway auch auf anderen Stationen eingesetzt, u. a. auf der Palliativstation, und soll Patienten, die von der Intensivstation nach Hause entlassen wurden, bei der Rehabilitation helfen.

Die Pandemie erforderte einen technologischen Sprung und die IT-Experten haben reagiert. Dank ihres Fachwissens hat Life Lines Tausenden Menschen weltweit geholfen.

Für Michel Paquet ist diese Erfahrung ein Privileg, das ihn und sein Team für immer verändert hat.

Die Mitarbeiter meines Teams sind sehr stolz auf das, was sie erreicht haben. Das kann ihnen niemand mehr nehmen.

„Es ist eine große Anstrengung, die eine gute Koordination und viel Geduld erfordert. Man muss Frustrationen einfach beiseite schieben und es angehen.“

Privat ist Paquet stolz darauf, ein gutes Vorbild für seine vier Kinder sein zu können.

„Worauf ich am meisten stolz bin ist, dies meinen Kindern zu zeigen. Ihnen zu vermitteln, dass sie alles schaffen können, wenn sie nur wollen.

Dabei geht es nicht um Geld, sondern darum, das Richtige zu tun.

Für mich ist das der größte Erfolg in meiner beruflichen Laufbahn. Ich habe Menschen wirklich geholfen. Das bleibt für immer.“

Für Life Lines spenden

Einem Leaptaker danken, den Sie kennen

IT-Teams vollbringen jeden Tag Höchstleistungen. Sie können dazu beitragen, dass sie dafür mehr Anerkennung erhalten. Schreiben Sie einem IT-Experten eine persönliche Dankesnachricht und teilen Sie sie unter dem Hashtag #Leaptakers oder per E-Mail.

Erstellen und teilen
Einem Leaptaker danken

Neuigkeiten zu Chrome Enterprise

Bleiben Sie mit dem Chrome Enterprise-Newsletter auf dem Laufenden

* Erforderlich

Bitte geben Sie einen Vornamen ein.

Bitte geben Sie einen Nachnamen ein.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Bitte geben Sie ein Unternehmen ein.

Bitte geben Sie Ihre Position in der Organisation ein.

Diese Information ist erforderlich, damit wir Ihre Anfrage entsprechend Ihrer Branche weiterleiten können.

Bitte wählen Sie ein Land aus.

Das ist ein Pflichtfeld.

Mit dem Absenden dieses Formulars stimme ich der Weitergabe meiner personenbezogenen Daten zu und erkenne an, dass die von mir angegebenen Informationen der Datenschutzerklärung von Google unterliegen.

Vielen Dank.

Ihre Anfrage ist eingegangen.

Hintergrundform
Diese Themen könnten Sie interessieren:
Folgen Sie uns auf

Wenn Sie über Neuigkeiten rund um Chrome Enterprise informiert werden möchten, folgen Sie uns einfach auf LinkedIn.

Folgen Sie uns
Das Chrome Enterprise-Upgrade testen

Sie können unsere Lösung zur einfachen und sicheren Verwaltung Ihrer Chrome OS-Geräte jetzt 30 Tage lang kostenlos testen.

Anmelden